17. August 2026 · CBAM · 3 Min. Lesezeit
Für türkische Unternehmen, die in die Europäische Union exportieren, wird CBAM in den kommenden Jahren zu einem der wichtigsten Handels-/Compliance-Themen. In diesem Leitfaden erklären wir, was CBAM ist, welche Sektoren betroffen sind und wie sich Unternehmen vorbereiten sollten.
CBAM (Carbon Border Adjustment Mechanism — Grenzausgleichsmechanismus für CO2) ist ein Mechanismus, der mit der Verordnung (EU) 2023/956 der Europäischen Union in Kraft getreten ist. Sein Ziel ist es, „Carbon Leakage" zu verhindern — also zu verhindern, dass EU-Hersteller, die einer strengen CO2-Bepreisung (dem EU-EHS) unterliegen, gegenüber dem Import desselben Produkts aus Ländern mit lockereren Umweltvorschriften unfair benachteiligt werden. Kurz gesagt sorgt CBAM dafür, dass die bei der Herstellung bestimmter, in die EU importierter Produkte entstehenden CO2-Emissionen denselben CO2-Kosten unterliegen wie bei EU-Herstellern.
Die Europäische Union ist der größte Exportmarkt der Türkei. In den von CBAM erfassten Sektoren (insbesondere Eisen/Stahl und Aluminium) gehört die Türkei zu den Ländern, die bedeutende Mengen in die EU exportieren. Das bedeutet, dass CBAM für türkische Hersteller keine abstrakte EU-Innenpolitik ist, sondern ein konkretes Thema mit direkten Auswirkungen auf Kosten und Wettbewerbsfähigkeit — da sich die CBAM-Zertifikatskosten auf den Endpreis des Produkts auswirken werden, können unvorbereitete Unternehmen Marktanteile verlieren.
CBAM umfasst derzeit 6 Sektoren: Eisen/Stahl, Zement, Aluminium, Düngemittel, Strom und Wasserstoff. Jeder Sektor gliedert sich in Dutzende Unterproduktkategorien — allein im Sektor Eisen/Stahl gibt es beispielsweise 10 verschiedene Produktgruppen (Roheisen, Ferrolegierungen, warm-/kaltgewalzte Flacherzeugnisse, nahtlose/geschweißte Rohre), jede mit einem eigenen Koeffizienten für graue Emissionen. Die VOLLSTÄNDIGE Liste aller 25 Produkte und ihrer jeweiligen Koeffizienten teilen wir tabellarisch im CBAM-Abschnitt unseres Quellenverzeichnisses.
Detaillierte Leitfäden für jeden Sektor mit Produktunterkategorien, Koeffizienten und verifizierten Rechenbeispielen:
CBAM tritt nicht plötzlich mit vollen Kosten in Kraft — es gibt einen schrittweisen Übergangszeitplan. Die Auslaufquote der kostenlosen Zuteilung (also der wachsende Anteil, den der Importeur zahlen muss) beginnt 2026 bei 10 %, steigt 2027 auf 25 %, 2028 auf 40 % und erreicht 2032 100 %. Dies gibt Unternehmen ein mehrjähriges Zeitfenster zur Vorbereitung — wobei zu bedenken ist, dass sich dieses Fenster stetig verkleinert.
„Graue Emissionen" (embedded emissions) sind die gesamten direkten und indirekten Emissionen, die während des Cradle-to-Gate-Prozesses eines Produkts entstehen (von der Rohstoffgewinnung bis zum Werkstor). Exportierende Unternehmen sind verpflichtet, die grauen Emissionen der von ihnen hergestellten Produkte zu messen und ihrem EU-Importeur zu melden (oder direkt über eine CBAM-Erklärung). Dieser Prozess erfordert, dass das Unternehmen seine eigenen Scope-1-2-Daten auf Produktebene aufteilt — weshalb die CBAM-Vorbereitung eigentlich mit einer soliden unternehmerischen CO2-Bilanzierungsinfrastruktur beginnt (siehe unseren Scope-1-2-3-Leitfaden).
Die CBAM-Zertifikatskosten sind an den wöchentlich aktualisierten Referenzpreis des EU-EHS (Emissionshandelssystem) gekoppelt. Vereinfachte Formel:
Kosten (€) = Produktmenge (t) × Koeffizient graue Emissionen (t CO2e/t) × EU-EHS-Preis (€/t) × Auslaufquote der kostenlosen Zuteilung
Beispiel: Für ein Unternehmen, das 50 t warmgewalzten Flachstahl exportiert (Koeffizient: 1,90
t CO2e/t, EU-EHS-Preis 72,5 €/t, Auslaufquote 2026: 10 %):
50 × 1,90 × 72,5 × 0,10 = ≈ 689 €
Bei gleichbleibendem Exportvolumen wird dieser Betrag 2027 (bei 25 % Quote) auf etwa das 2,5-Fache und 2032 (bei 100 % Quote) auf das 10-Fache steigen — weshalb eine frühzeitige Vorbereitung langfristig einen erheblichen Kostenvorteil bietet.
1. Beginnen Sie jetzt mit der Erfassung Ihrer Daten zu grauen Emissionen — eine solide Dateninfrastruktur vor Ablauf der Übergangsfrist aufzubauen ist deutlich kostengünstiger, als bis zur letzten Minute zu warten.
2. Erhöhen Sie die Transparenz Ihrer Lieferkette — die Emissionsdaten Ihrer eigenen Lieferanten sind Teil Ihrer grauen Emissionen.
3. Prüfen Sie Investitionen in CO2-arme Produktion — der Umstieg auf erneuerbare Energien oder Verbesserungen der Prozesseffizienz können sowohl Ihre CBAM-Kosten als auch Ihre allgemeinen Betriebskosten senken.
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