18. August 2026 · Marine & Biogene Emissionen · 2 Min. Lesezeit
Bei Kohlenstoffbindung denkt man meist zuerst an Wälder — doch die Wissenschaft zeigt, dass Küstenökosysteme pro Hektar weitaus stärkere Kohlenstoffspeicher sind. In diesem Leitfaden erklären wir das Konzept „Blue Carbon", welche Ökosysteme wie viel Kohlenstoff binden und wie der Unterschied zwischen dem Schutz und der Zerstörung dieser Gebiete berechnet wird.
Blue Carbon bezeichnet den von Küsten- und Meeresökosystemen (Mangrovenwälder, Seegraswiesen, Salzmarschen) gebundenen und gespeicherten Kohlenstoff. Diese Ökosysteme können pro Hektar 3- bis 5-mal mehr Kohlenstoff binden als Landwälder — denn der Kohlenstoff wird nicht nur im Pflanzengewebe gespeichert, sondern reichert sich auch in der sauerstofffreien (anaeroben) Sedimentschicht an, wo er jahrtausendelang unaufgelöst verbleiben kann.
| Ökosystem | Schutz (jährliche Bindung) | Verlust (Zerstörung) |
|---|---|---|
| Mangrovenwälder | -11,0 t CO2e/ha/Jahr | +18,0 t CO2e/ha/Jahr |
| Seegraswiesen | -6,5 t CO2e/ha/Jahr | +11,0 t CO2e/ha/Jahr |
| Salzmarschen | -7,5 t CO2e/ha/Jahr | +13,0 t CO2e/ha/Jahr |
Dass Mangrovenwälder sowohl den höchsten Bindungs- als auch den höchsten Verlustwert aufweisen, ist kein Zufall: Dieses Ökosystem besitzt die dichteste Wurzel-/Sedimentbiomasse, weshalb es sowohl am meisten Kohlenstoff speichert als auch bei Zerstörung am meisten Kohlenstoff wieder freisetzt.
Blue Carbon wird von der IPCC-Feuchtgebiete-Ergänzung und der Blue Carbon Initiative als eigene Kategorie getrennt von Landwäldern behandelt, da sich sowohl die Kohlenstoffdichte als auch das Beständigkeitsprofil unterscheiden: Der Kohlenstoff eines Landwaldes wird hauptsächlich in lebender Biomasse gespeichert (Brand-/Abholzungsrisiko), während der Großteil des Kohlenstoffs in Küstenökosystemen unter anaerobem Sediment gespeichert wird — eine Umgebung, die, solange kein Sauerstoffkontakt besteht, die Auflösung/Freisetzung des Kohlenstoffs stark verlangsamt.
Der Unterschied zwischen dem Schutz einer 10 Hektar großen Seegraswiese über 5 Jahre und ihrer
Zerstörung im selben Zeitraum:
Schutzszenario: 10 ha × -6,5 t CO2e/ha/Jahr × 5 Jahre = -325 t CO2e (Nettobindung)
Zerstörungsszenario: 10 ha × 11,0 t CO2e/ha/Jahr × 5 Jahre = +550 t CO2e (Nettofreisetzung)
Gesamtdifferenz = 325 + 550 = 875 t CO2e — der Schutz dieser Fläche schafft
also im Vergleich zu ihrer Zerstörung über 5 Jahre einen Klimawert-Unterschied von 875 t CO2e.
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